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--- Motorrevision 911 SC Teil 2 (http://www.klassik-stammtisch.de/wbb2//thread.php?threadid=1706)


Geschrieben von Manfred Placzek am 04.11.2008 um 13:37:

Pfeil Motorrevision 911 SC Teil 2

Alle Aufnahmen wurden im ungereinigten Zustand gemacht


Der Motor befindet sich jetzt auf einem Montagebock


Mit einem hydraulischen Werkstatt-Motormontagekran konnte er ohne Mühe im Montagebock eingesetzt werden


Ansicht Unterseite, nach demontage der Krümmer und Wärmetauscher, alle Stehbolzen sind dabei ganz geblieben!!!


Der linke Zylinder ist im Fußbereich leicht verölt, hier ist links unten der Stehbolzen ab, der eigentliche Grund der Revision.


Genau hier gehörte er vor dem Abriss hin, Ansicht vom Z-Kopf, alle anderen sitzen unterhalb vom Nockenwellengehäuse


Nahaufnahme Auslasskanal, im Hintergrund das A-Ventil, im Vordergrund die Frischluftzuführung von der Sekundärluftpumpe,
diese technische Lösung diente zum unterstützen der Nachverbrennung.


Hier das Frischluftventil einzeln, es unterstützt die Nachverbrennung von unverbranntem Kraftstoff. Hauptsächlich wurden
dadurch die HC und CO Werte gesenkt. Damalig wurden damit die Abgasbestimmungen in USA erfüllt


Rechter Krümmer mit Wärmetauscher



Geschrieben von HE-Manfred am 04.11.2008 um 18:29:

 

Hallo Manfred,

das System der Lufteinblasung wird noch heute verwendet. Es gab in der Entwicklung mehrere Phasen. Angefangen hatte es mit selbstansaugenden Sekundärluftventilen (Öffnung durch Pulsationen im Abgasstrang). Weiter ging es über die Lufteinblasung mittels einer mechanischen Pumpe, die von der Kurbelwelle angetrieben wurde (war auch beim 2,0l/100 PS Motor im 914/4 in Serie). Mittlerweile sind wir bei der elektrischen Sekundärluftpumpe angekommen. Diese wird über das Motorsteuergerät angesteuert.

Neuere Motoren (FSI, TFSI, DFI) haben das nicht mehr nötig. Hier erfolgt die Aufheizung des Auslasstrack und Reduzierung der Emissionen über andere Mittel.

Gruss



Geschrieben von Manfred Placzek am 06.11.2008 um 18:43:

geschockt 2. abgerissener Stehbolzen


Bei Demontage der Nockenwellenghäuse fiel mir ein weiterer abgerissener Stehbolzen entgegen.
Vom 4. Zylinder unten hinten! Eine gewisse Symmetrie, der erst kam vom 3. Zylinder unten vorn.

3 - 6
2 - 5
1 - 4



Geschrieben von Manfred Placzek am 13.11.2008 um 14:58:

geschockt Komplett zerlegt

Eine hartnäckige Erkältung hat mich mehr als eine Woche aufgehalten, nun ging es aber weiter. Der Motor ist komplett zerlegt, außer beide Hälften des
Kurbelgehäuse mit Kurbelwelle, hier besteht aber auch kein Bedarf.

Ein großes Problem bereiteten die unteren Stehbolzen aus beschiebenen Dilavar, diese sind mit Loctite oder gleichwertig gesichert bzw. geklebt.
Nur durch richtig dosiertes erhitzen des Kurbelhehäuse, lassen sich die Bolzen, mit einem Hilfswerkzeug und mit entsprechend hohem Kraftaufwand
herausdrehen. Die ideale Temperatur läßt sich nur mit einem kommerziellen Gasbrenner, einer der auch für Silberlotarbeiten geeignet ist, erreichen.

Auch damit ist er nur durch gleichzeitige Wärmezufuhr auf der unmittelbaren Zylindervertiefung im Gehäuse und zentriertes drehen per
180-Grad Verlängerung am Ausdrehwerkzeug möglich, ohne Abrissgefahr, die 12 unteren Stehbolzen aus Dilavar, herauszudrehen. Es hat viele
Stunden Lehrgeld gekostet, einige wenige Bolzen kamen auch durch die Wärmezufuhr über ein 2000 Watt Heißluftgerät, allerdings kamen diese
Bolzen nur mit deutlich höheren Drehkraftaufwand und dadurch Abrissgefahr heraus. Zuführen von flüssigen Hilfen durch Schrauben-,Korrosion-
oder Rostlöser brachten auch über Langzeit, keinen Erfolg. Nur durch gleichzeitig gezieltes und richtig dosiertes Erhitzen des Gehäuse an der
Zylinderschaftführung und herausdrehen, brachte den Erfolg. Hierzu sind auf jeden Fall 2 Personen im beschreibenen Arbeitsvorgang notwendig.
Auf keinen Fall dazu einen Schweißbrenner einsetzten!


Hier alle Reste der alten Dilavar-Bolzen, außer bei 2, wurden zum Ansatz des Ausdrehwerkzeug, alle oberen M10-Gewindegänge abgeflext.
3. und 5. von links sind die besagten durch Korrosio abgerissenen Bolzen und eigentlicher Grund der Revision.



Kurbelgehäuse rechts-links, Ansicht mit den herausgedrehten Dilavar-Bolzen.



Geschrieben von HE-Manfred am 14.11.2008 um 12:57:

 

Hallo Manfred,

wie sehen die Kolben- und Ölabstreifringe aus? Die massiven Ablagerungen im Einlasskanal können nur durch Öldämpfe aus der Kurbelgehäuseentlüftung stammen.

Gibt es ein Problem mit der Ringbestückung der Kolben, dann kann erhöhter Druck (normal ist ein leichter Unterdruck) im Kurbelgehäuse sein und die Dämpfe werden
über den Ölsammelbehälter in den Ansaufschlauch zwischen Drosselklappe und Stauscheibe verstärkt eingeleitet.

Gruss



Geschrieben von Manfred Placzek am 16.11.2008 um 14:52:

Lampe Kolben - Zylinder


Zylinder und Kolben 1 -3


Zylinder und Kolben 4 - 6

Kolben, -Ringe und Zylinder sind im tadellosen Zustand, die im Bild sichtbaren Streuífen in den Zylindern sind Lichtreflexe, alles
ist nur etwas vorgereinigt. In den Zylinder bei OT hat sich vom oberen Kolbenring zum Zylinderrand etwas Ölkohle, vor allem
auf der Auslasseite, abgelagert. Der Kolbenboden ist hier stark asymetrisch nach innen ausgeführt, ist wohl hier auch auf den
Bilder gut erkennbar.


Eine Makroaufnahme vom Zylinder im mittleren Hubbereich, sehr deutlich ist noch die Hohnung erkennbar, somit bisher
ein nur sehr geringer Abbrieb. Der Motor hatte bisher keinen nennenswerten Ölverbrauch.



Geschrieben von Christian Heinemann am 17.11.2008 um 12:56:

 

Hallo Manfred,

Dein Bericht ist Klasse, freue mich über jede weitere Folge.

Danke und Gruß,
Christian



Geschrieben von Manfred Placzek am 12.12.2008 um 17:36:

Pfeil Teile sauber und bewertet


Endlich kam ich einmal wieder dazu einige Bilder zu machen und vom Fortschritt der Arbeiten zu berichten. In den letzten Wochen war die Zeit begrenzt.
Der Schwerpunkt der aktuellen Arbeiten war alles grüdlich zu reinigen, teilweise mehrfach, es war eine ekelhaft schmutzige Arbeit. Nun ist aber nahezu
alles sauber. Die Bidübersicht zeigt den Motorblock in der Mitte, links oben das Ölsieb, es verhindert dass Fremdteile im Sumpf von der Ölpumpe angesaugt
werden können. Ganz links die Zylinderköpfe 1- 3, daneben die entsprechenden Zylinder mit Kolben. Vor Kolben 1 ragt die Nockenwellen-Steuerkette aus dem
Motorblock. Links unten das Nockenwellengehäuse mit lose aufgelegter Nockenwelle. Rechts oben der interne Ölkühler, darunter die Köpfe und Zylinder 4 - 6.
Davor das Nockenwellengehäuse rechts mit Nockenwelle. Beide Gehäuse sitzen im Funktionszustand direkt über beide Zylinderreihen.


Seitenansicht, linke Zylinderreihe mit Kurbelgehäuse und den 3 Pleulen.


3. Zylinderkopf, hier war seit langer Zeit ein Stehbolzen abgerissen, deutlich ist die beschädigte Dichtflächer erkennbar. Dadurch müssen alle 3 Zylinder
auf der linken Seite geplant werden. Hierbei wird die Dichfläche um 0,25mm abgefräst. Dieser Betrag wird bei allen 3 Zylindern durch entsprechend stärkere
Zylinderfußdichtungen aus CU ausgeglichen.


Die Krümmer mit Wärmetauscher wurden intensiv mit rotierender Drahtbürste von Farbresten und Rost befreit und mit hitzefesten Lack behandelt.
Genau so auch der Mittel- und Endschalldämpfer nebst Rohre.



Geschrieben von Dirk O. am 14.12.2008 um 11:43:

 

Hallo Manfred,
wenn der Motor dann so gut läuft, wie er jetzt schon samt Auspff aussieht, dann musst du bei den nächsten Ausfahrten hinten fahren grin
Respekt für derartig unangenehme "Schwarzarbeiten" !

Grüße, Dirk



Geschrieben von Manfred Placzek am 14.12.2008 um 12:13:

 

Hallo Dirk,

Danke für die Blumen, im Gegensatz zu den meisten von uns hier, habe ich Zeit. Seit ich beruflich "ausgestiegen" bin, kann ich einiges zum Thema ausleben.
Ende Dezember habe ich alle Kleinteile beieinander und dann beginnt der Zusammenbau mit vollständig neuen Dichtungen und einigen neuen Verschleißteilen.

Sehr gern kannst Du hinter mir fahren, am 27. September kommen wir Dir sogar entgegen, Richtung Thomas Müntzer-Stadt.



Geschrieben von Dirk O. am 14.12.2008 um 15:11:

 

Zitat:
Original von Manfred
Hallo Dirk,

...

Sehr gern kannst Du hinter mir fahren, am 27. September kommen wir Dir sogar entgegen, Richtung Thomas Müntzer-Stadt.


Danke für die Einladung. Schaun wir mal, was die Zeit und der Kalender für den 27.09.09 ermöglicht. 2009 sollte bei mir etwas mehr Gelegenheit zum Fahren vorhanden sein als dieses Jahr. Grüße, Dirk



Geschrieben von Manfred Placzek am 02.10.2012 um 13:37:

  RE: Motorrevision 911 SC Teil 2

Teil 2


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